“Mal verliert man, mal verliert man” - Lebensweisheit
“Vertrauen ist der Anfang von Allem” - Deutsche Bank
Moral hazard (etwa: “moralisches Risiko”) ist zweifelsfrei einer der Kernhintergründe der Bankenkrise - das Vorhandensein von Informationsvorteilen und das daraus resultierende eigennützige Verhalten.
Also etwa: Mit fremdem Geld heimlich Roulette spielen - bei Gewinn gewinne ich, bei Verlust verliert jemand anderes. Risiken werden von jemand anderem getragen, aus dem Risiko resultierende Vorteile kommen mir zugute.
Sehr interessant beschrieben hat das - und den Zusammenhang mit der Bankenkrise - ein anonymer Banker in dem Artikel:
Dank an: Silke Helfrich
Ebenfalls sehr lesenswert: J. Joffe in der ZEIT.
22.10.2008 bei 15:08
Ich finde die Berichte in den Zeitungen eher peinlich: Tenor in der Zeit: Der Staat ist Schuld- Hallo? Die armen Banker als Opfer staatlichen Zwangs zur Hypothekenvergabe? Sorry, das ist lächerlich. Sie waren Opfer der Gier.
Und der Banker in der Welt mit einem: Ja die Gier hat einen gepackt, Ihr hätte es ja genauso gemacht. Da mag er bei 95% der Bevölkerung sogar Recht haben, das entbindet ihn aber nicht von seiner persönlichen Verantwortung.
Aber genau das ist ja das Problem und da war Silke Hilfreich:
Jeder denkt nur an seinen persönlichen Profit und übernimmt keine Verantwortung für die Allgemeinheit- ja genau genommen nicht mal für sich selbst. Ich empfinde das als armselig. Da dieses Verhaltensmuster aber weitverbreitet ist und zumindest oberflächlich ja sogar belohnt wird, muss die Gemeinschaft dagegen steuern und Dinge anders regeln. Jeder muss sein Handeln verantworten. Im Guten wie im schlechten. Ich mache als Banker minus: Ich bezahle dafür mit meinem privaten Geld. Ich verantworte als Beamter eine Kostenexplosion: Private Haftung. Ich- als Selbstständiger- empfinde sowas als völlig normal, weil es bei mir genauso funktioniert. Fehler werden bestraft, gutes Verhalten belohnt. So einfach ist dass und es funktioniert. Ohne Luftblasen.
Das dann einige Geschäfte nicht gemacht werden können, einige Kredite nicht so vergeben werden wie bisher etc. ist -in meinen Augen- was Gutes.
22.10.2008 bei 16:40
Roland, kein Widerspruch. Die Banken waren Opfer ihrer (auch unserer?)Gier. Die Frage bleibt m.E. dennoch relevant: Hat der Staat gebremst oder geschoben? Und er hat wohl nicht ausschliesslich gebremst…
Schwieriger finde ich Deine Überlegungen zur Privathaftung des Angestellten für Fehler, die er in Ausübung seiner Aufgaben begeht.
a) Messprobleme. Wie bewerte ich diese Haftung? Ist schlechte Arbeit als Lehrer zu bestrafen, weil es Kosten verursacht? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?
Es gibt Aufgaben mit günstigen Risikoprofilen (Lehrer, Archivmitarbeiter) und sehr ungünstigen Risikoprofilen (Richter, Architekt, Donaudampfschiffahrtskapitän) geben. Wie stelle ich sicher, dass diese Aufgaben dennoch getan werden?
b) Risikoprofile. Als Selbständiger und Unternehmer habe ich das volle Risiko. Das ist hässlich. Dafür habe ich aber auch die vollen Chancen. Das ist schön. Ein Beamter hat kaum Chancen, ein Angestellter auch nicht (ok, es sei denn, er ist im Vertrieb oder gar Investmentbanker (Branchenlingo: *englischen Akzent aufsetz* I-Banker)). Ihn jetzt das volle Risiko tragen zu lassen wird m.E. kaum funktionieren.
c) Risikobegrenzung. Risikobegrenzung hat ja was für sich. Es hat ja schliesslich seine Gründe, warum die XYZ GmbH in Barsbüttel eine GmbH ist - und keine OHG…
28.10.2008 bei 14:30
Das mit der Haftungsbegrenzung bei GmbHs ist auch eine Sache, die nicht jeder so konsequent durchführen kann, wie er mag.
Mit ist auch klar, dass man nicht jeden Angestellten in die Haftung nehmen kann. Aber ein System, welches aberwitzige Boni zahlt, wenn man ein Jahr viel Geld verdient, aber nicht mehr sanktioniert, wenn man im nächsten Jahr dieselbe Summe verliert, muss zum Roulette verführen.
Und es geht doch gar nicht um das volle Risiko. Das ist auch nicht nötig. Aber angenommen, ich bekomme als Basis X Euro im Jahr und zusätzlich 5 % von dem was ich an Gewinn mache, oder 5 % von dem was ich als Verlust mache- würde das das Vorgehen der Banker ändern?
Wir werden die Gier nicht besiegen- und das ist ja auch gut so, weil die ja auch ein riesiger Ansporn ist.
Aber wir müssen sie kanalisieren. Das wird dazu führen, dass die 20 % Renditen eher selten zu erzielen sind, aber die 700 Milliarden Verluste eben auch.
1.11.2008 bei 16:50
Roland, einverstanden. Nur das “Wie” ist wie meist die entscheidende Herausforderung…