Gerechtigkeit

Die Debatte um Gerechtigkeit ist wohl so alt wie Debatten überhaupt. Insbesondere auf der politischen Ebene geht es immer wieder darum, wie diese Welt gerechter werden kann, wie gerechte Sozialsysteme aussehen sollten, wie gerechte Bildungssysteme aussehen könnten etc.

Interessanterweise werden in dieser Diskussion sehr häufig zwei Begriffskategorien verwechselt oder bewusst als Äquivalente verwendet: Das ethisch/moralische Konzept der Gerechtigkeit und das aus ökonomischen Kategorien herleitbare Konzept der Gleichheit. Wenn in einem Zeitungsartikel steht, dass die soziale Gerechtigkeit in Deutschland ab- oder zugenommen habe, ist damit meist gemeint, dass die Gleichverteilung ökonomischer Werte in Deutschland zu- oder abgenommen habe. Dies beinhaltet bereits eine moralische Bewertung eines ökonomischen Sachverhaltes.

Soziale Gerechtigkeit ist prinzipiell nicht messbar (im Gegensatz zur ökonomischen Gleichheit), da das Konzept “Gerechtigkeit” individuellen oder gruppenspezifischen Wertkategorien entspringt – und durchaus von unterschiedlichen Menschen, Gruppen, Kulturen ganz unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird.

In der Gerechtigkeitsdebatte werden vor allem drei wesentliche unterschiedliche Konzepte vermischt und von unterschiedlichen politischen Strömungen unterschiedlich stark vertreten: ökonomische Gleichheit (“Gleichverteilung von Gütern ist gerecht”), Chancengleichheit (“Gleichverteilung von Chancen auf ökonomischen Erfolg ist gerecht”) und Leistungsgerechtigkeit (“Verteilung von ökonomischem Erfolg nach individueller Leistung ist gerecht”).

Je nach eigenem Wertesystem wird der Leser dem einen oder anderen Konzept den Vorzug geben. Diese Konzepte zu einem gemeinsamen Ganzen zu verschmelzen ist wohl ein Dilemma, da sie sich untereinander oftmals widersprechen. Daher bleibt die Gerechtigkeitsdebatte wohl auf Dauer aktuell.

Welches dieser Wertesysteme liegt Ihnen am entferntesten? Warum?

One Response to “Gerechtigkeit”

  1. Roland sagt:

    Direkte Frage-direkte Antwort: Die Gleichverteilung der Güter ist mir zuwider.
    Warum? Das ist etwas schwerer, aber es gibt im Leben keine Gleichverteilung. In keinem Bereich. Wölfe, die sich in Ihrem Rudel durchsetzen, bekommen mehr Futter. Pflanzen, die anderen das Licht nehmen, wachsen höher. Wer zielge-richtet sein Ziel verfolgt- egal in welchem Bereich- wird sein Ziel besser erfüllen und dafür belohnt. Das ist eine universelle Regeln. Leider mit Millionen von Ausnahmen. Natürlich kann man auch Glück oder Pech haben, aber das Prinzip, dass sich Leistung lohnt, bleibt trotzdem universell. Im Prinzip.

    Ein schönes Ziel wäre es, gleiche Chancen zu schaffen, aber dazu müsste die Entscheidungselite erstmal dafür sorgen, dass Ihre Nachkömmlinge nicht dank besonderer materieller Zuwendungen besser gefördert werden als die Kinder Ihres polnischen Gärtners. Das wird nicht passieren.

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