“Es will eigentlich niemand beraten werden. Was die Leute wollen, ist eher eine Bestätigung, dass sie so weitermachen können wie bisher.” Dr. Heiko Mell, Karriereberatung VDI-Nachrichten
Unternehmensberater sind in vielen Unternehmen unterwegs. Je größer das Unternehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die namhaften Unternehmensberatungen an entscheidenden Projekten mitwirken, wichtige Entscheidungen beeinflussen – und dass die Führungskräfte oberhalb einer gewissen Ebene sich zumindest zum Teil aus ehemaligen Unternehmensberatern rekrutieren.
Warum brauchen Unternehmen eigentlich Berater?
Der Begriff “Unternehmensberater” ist in Deutschland nicht geschützt – prinzipiell kann sich jeder so nennen, wenn er dies gern möchte. In der Praxis ist dies auch oftmals der Fall – so werden Lücken im Lebenslauf geschlossen oder eine zeitlich befristete selbständige Tätigkeit aufgewertet.
Und es gibt richtige Unternehmensberatungskonzerne – Unternehmen, welche sich darauf spezialisiert haben, gewisse Dienstleistungen für Unternehmen zu erbringen. Diese Dienstleistungen unterscheiden sich untereinander stark – manche Unternehmen haben sich auf Personaldienstleistungen (z.B. Direktansprache – “Headhunting”), auf IT-Dienstleistungen (wie z.B. die Implementierung von Softwaresystemen), Begleitung von Changeprozessen oder auf Managementberatung wie Unternehmensstrategiefindung spezialisiert. Die Unternehmensberaterbranche ist also sehr divers.
Die wesentliche Gründe ein Unternehmen, sich von einem Dienstleister beraten zu lassen, sind in diesem Essay dargestellt.
Rechtliche Anforderungen
Die wohl einfachste Begründung für den Einkauf von Beratungsdienstleistungen stellen rechtliche Anforderungen dar. So sind z.B. Unternehmen ab einer gewissen Größe verpflichtet, ihre Finanzunterlagen von einem Wirtschaftsprüfer auditieren zu lassen.
Fehlende Kapazitäten
Um temporäre (oder gelegentlich auch dauerhafte) Kapazitätsengpässe zu beseitigen, werden von Unternehmen ebenfalls Unternehmensberater eingesetzt. Hier handelt es sich sozusagen um Zeitarbeit (die im Branchenlingo unromantisch als “Body Leasing” – “Körpermiete” bezeichnet wird) auf höherem Niveau – mindestens, was die Kosten angeht.
Fehlende Kompetenzen
Aufgaben bewältigen zu können, für welche die Mitglieder der Organisation die notwendigen Kompetenzen nicht besitzen, ist ein weiterer häufiger Grund für den Einsatz von Unternehmensberatern. Es kann für das beauftragende Unternehmen preiswerter, schneller und flexibler sein, sich die benötigten kompetenzen von einem Dienstleister zuzukaufen, als die entsprechenden Fähigkeiten selbst aufzubauen.
Neutralität
In großen Organisation werden Projekte oftmals durch ein politisches Umfeld behindert. Die oftmals oftmals vom Interesse des Projektinitiators abweichenden Interessen und oftmals sich widersprechenden Interessen unterschiedlicher Stakeholder in der Organisation erschweren die Umsetzung strittiger Projekte oft. Hier kann ein Unternehmensberater als eine neutrale Instanz, die keine eigenen inhaltlichen Interessen verfolgt, hilfreich sein.
“Outsourcing the blame”
Ein ebenfalls anzutreffender Grund, Unternehmensberater zu beauftragen, ist das Abwälzen der Verantwortung für unangenehme Entscheidungen auf einen unbeteiligten Dritten. Über die Ethik eines solchen Vorgehens kann man geteilter Meinung sein – in der Praxis werden Unternehmensberater auch dafür eingesetzt, unangenehme Veränderungen zu initiieren. Dies gibt dem Management der Organisation die Mögichkeit, die Verantwortung für diese Entscheidungen von sich weg hin zum Unternehmensberater zu delegieren. Dies wird gelegentlich als der einfachere Weg angesehen, um schwierige Prozesse zu initiieren und oft auch umzusetzen.
“Cover your arse”
Eng verwandt mit dem vorstehenden Grund ist jener, Unternehmensberater dazu zu verwenden, eigene Positionen vom Unternehmensberater absichern zu lassen. “Namhafter-Unternehmensberater-X hat gesagt” klingt bei Katastrophen besser als: “Ich war der Ansicht”. Und der Unternehmensberater kann ja nicht gefeuert werden.