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12.4.2008 von henning.kantner.
“Willst Du schnell reisen, gehe allein. Willst Du weit reisen, gehe gemeinsam.” Afrikanisches Sprichwort (behauptet zumindest Al Gore)
Wenn Du nicht mehr weiterweisst, bilde einen Arbeitskreis (Bürokratieweisheit)
Teamarbeit ist ein wesentliches Arbeitsorganisationssystem in modernen Organisationen. Aber nicht überall ist sie beliebt, weil sie nicht nur Vorteile bietet. Wieso hat Teamarbeit “gefühlt” so zugenommen und was sind ihre Eigenheiten?
Team ist nicht gleich Team
“Teamfähigkeit” als Eigenschaft fehlt in Anforderungsprofilen in Stellenanzeigen nur selten. Meist ist hier jedoch “soziale Anpassungsfähigkeit” gemeint, also die Fähigkeit, sich in eíner sozialen Einheit namens “Team” eingliedern zu können. Solche sozialen Einheiten leisten meist einen kohärenten Typ Arbeit. Solche Teams sind nichts Neues, solche Teams gab es sicherlich auch schon zu den Zeiten der Pharaonen. Dies ist jedoch nicht die einzige Art von Teams: das interdisziplinäre Team, zusammengesetzt aus Personen, die sehr unterschiedliche Arbeit leisten, hat in den letzten Jahrzehnten massiv an Bedeutung gewonnen. Insbesondere der letzgenannten Art Team widme ich mich in diesem Artikel.
Teamarbeit ist notwendig, um trotz gestiegener Organisationskomplexität erfolgreich sein zu können
Die Komplexität der menschlichen Interaktionen nimmt überproportional mit der Menge der Organisationsmitglieder zu. In einer Organisation mit 10 Mitgliedern sind 45 individuelle Beziehungen möglich, in einer mit 100 Mitgliedern sind es schon fast 5.000, bei 1.000 ca. 500.000, bei 10.000 schon 50 Millionen. Organisationen oberhalb einer gewissen Grösse müssen sich schon deshalb unterteilen in Abteilungen, Hauptabteilungen, Bereiche, Geschäftsfelder, um der sozialen Komplexität durch Struktur Herr werden zu können.
Teamarbeit ist in solchen Organisationen deshalb zwingend erforderlich, weil solche Systeme von keiner Person mehr durchgängig verstanden oder beeinflusst werden (können). Während der Bauer in der vorindustriellen Zeit noch seine gesamte Wertschöpfungskette verstehen und beeinflussen konnte, ist dies bei Unternehmen wie Automobilkonzernen, Chipherstellern oder Banken nicht mehr der Fall. Also muss bei vielen Projekten ein Team her: interdisziplinäre Kompetenzen aus den unterschiedlichsten Organisationsbereichen: z.B. aus Technik, Vertrieb, Marketing, Recht, Personal, Kundenbetreuung, IT, Finanzbereich. Je komplexer der Projektinhalt, je tiefgreifender die angestrebten Änderungen, desto umfangreichere Kompetenzen werden benötigt.
Solche intradisziplinäre Zusammensetzung von Teams erhöht die Fehlerstabilität und die Breite der berücksichtigten Rahmenbedingungen. Nicht nur sehen vier Augen mehr als zwei, Jurist und Ingenieur können auch ganz unterschiedliche Facetten eines Problemes betrachten. Hier bringt Teamarbeit einen echten Gewinn!
Unterschiedliche Persönlichkeitsprofile können ebenfalls Teams erfolgreicher machen. “Wissensmenschen”, “Macher” und Personen mit hoher kommunikativer Kompetenz sind oftmals recht unterschiedlich - was die Kommunikation zwischen ihnen erschweren kann. Da erfolgreiche Projekte jedoch oft alle diese Kompetenzen brauchen, kann es hilfreich sein, unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen in das Team zu holen.
Teams sind meist langsamer als Einzelne
Teamarbeit ist jedoch nicht ohne Nachteile: langwierige Entscheidungsprozesse dominieren. Der Grund ist klar: oftmals ist es schon für eine einzelne Person schwer, eine Entscheidung in einem ambivalenten Umfeld zu fällen. Eine Gruppe von Menschen wird sich dabei so gut wie immer schwerer tun. Was auch einer der Gründe ist, wieso Politik so ein schwieriges Geschäft ist. Hier können Projekte durch Nichtentscheid und unklare Machtverhältnisse, persönliche Animositäten und unterschiedliche fachliche Ansichten zum Stillstand kommen. Auch dies ist in der Praxis sehr gut zu beobachten - sicherlich kennen Sie selbst zahlreiche Beispiele, ansonsten gibt es in der Tageszeitung an jedem Tag einige zu finden.
Hier ist es wesentlich, an der richtigen Stelle den Ausstieg aus der Teamarbeit zu schaffen: Wenn das Problem gründlich verstanden ist, in allen Aspekten beleuchtet ist und alle Meinungen zutage liegen, ist eine Entscheidung zu treffen. Entscheidungen fallen quasi definitionsgemäss unter Unsicherheit - und wenn das Team nicht in der Lage ist, diesen Gordischen Knoten zu durchschlagen, muss es ein Einzelner tun. Diese haben nämlich einen Vorteil: sie entscheiden wesentlich schneller.
Gemeinsame Entscheidungen vermeiden Katastrophen
Bei in einer Gruppe gemeinsam gefallenen Entscheidungen kommen nur selten katastrophale Fehlentscheidungen heraus. Die Individualentscheidung ist manchmal besser, fast immer schneller. Aber manchmal auch eben katastrophal falsch. Das gemeinsame Abwägen von Für und Wider, das Inbetrachtziehen von Argumenten, welche von unterschiedlichen Personen mit unterschiedlichen Ansichten und Qualifikationen vorgebracht werden, erhöht meist die Qualität der Entscheidung. Ausnahmen gibt es natürlich: “Groupthink” (laut wikipedia: “[Ein] Denkmodus, den Personen verwenden, wenn das Streben nach Einmütigkeit in einer kohäsiven Gruppe derart dominant wird, dass es dahin tendiert, die realistische Abschätzung von Handlungsalternativen außer Kraft zu setzen”) ist eine der Gefahren, die hier lauern. Auch kulturell begründete Tabus und Denkverbote können eine Quelle für fehlerhafte Teamentscheidungen sein. Dissens und Konflikt ist nicht notwendigerweise etwas schlechtes.
Oftmals erreichen gemeinsame Entscheidungen jedoch nur Mittelmaß. Teamarbeit hilft bei der Vermeidung großer Katastrophen - und oftmals auch großer Würfe: Geniale Geister wie da Vinci, Einstein, Galilei, Kopernikus oder Darwin waren Individualgenies.
Entscheidungswirkung folgt aus Entscheidungsqualität und -akzeptanz
Leider ist die Wirkung einer Entscheidung nicht ausschliesslich in ihrer Qualität begründet. Vielmehr ist die Akzeptanz ein ebenso grosser Einflussfaktor. Je größer die Akzeptanz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidung auch umgesetzt wird. Hier ist einer der wesentlichen Vorteile der Teamarbeit und der gemeinsamen Entscheidungen: Konsensentscheidungen treffen auf größere Akzeptanz als Individualentscheidungen. Selbst demokratisch (durch Diskussion und Abstimmung) herbeigeführte Entscheidungen haben - insbesondere in disziplinierten Teams - oft eine hohe Akzeptanz. Der Aufwand, solche Entscheidungen zu erreichen, ist verglichen mit der Individualentscheidung hoch. Oftmals ist die Entscheidungswirkung aber höher, da die Akzeptanz ebenfalls höher ist.
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