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27.3.2008 von henning.kantner.
“Gnothi seauton - Erkenne Dich selbst.” (Heraklit zugeschrieben)
“Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.” (Volksmund)
Viele Menschen wollen sich verändern. Leider scheitert die Mehrzahl solcher Veränderungsvorhaben - auch die des Autors sind selten strahlende Erfolgsgeschichten. Woran liegt das? Wie kann der Erfolg von Veränderungsvorhaben positiv beeinflusst werden?
Veränderungen sind schwierig. Die erlernten Verhaltens-, Gefühls- und Denkmuster sind mit fortschreitendem Alter bzw. zunehmender Erfahrung immer tiefer in uns verankert. Je tiefer solche Muster in uns verankert sind, je länger wir mir ihnen arbeiten, desto schwerer fällt Veränderung im Allgemeinen. “Der Automatische Mensch”
Viele Menschen möchten sich verändern, möchten z.B. ihre Wirkung, ihre soziale Kompetenz erhöhen, sie merken, dass “etwas nicht rund läuft” - ohne genau erfassen zu können, was es denn genau ist. Dieser “Blinde Fleck” für Verhaltens- bzw. Persönlichkeitsmerkmale ist im “Johari-Fenster” dargestellt:

Derartige Merkmale lassen sich anhand der Dimensionen “Mir selbst bekannt/unbekannt” bzw. “Anderen Personen bekannt/unbekannt” kategorisieren. Problematisch sind vor Allem jene Merkmale, welche sich in dem Quadranten “Anderen Menschen bekannt, mir jedoch nicht” befinden. Mein Umfeld kennt diese Eigenschaften von mir, mir selbst sind sie jedoch nicht bekannt. Dies sind natürlich nicht ausschließlich negative Dinge: Natürlich können sich auch Dinge, die ein Mensch außergewöhnlich gut kann und tut, in diesem Feld befinden. Solche lösen im Allgemeinen jedoch keinen Leidensdruck bzw. Veränderungswillen aus. Menschen verhalten sich eben auch auf Arten und Weisen, welche im Umfeld für Befremden sorgen - und meist fällt es diesen Menschen eben nicht auf.
Den Automaten erkennen
Der erste Schritt hin zu einer Veränderung ist daher stets das Bewusst-Sein. Nur wenn ich den “automatischen Menschen” in mir bewusst betrachte, erkenne, wie mein Programm funktioniert, kann ich bei Verhaltensweisen, die in meinem Blinden Fleck liegen, Veränderung erreichen.
Solche Bewusstheit wird zunächst meist aus dem Umfeld heraus erzeugt: Reaktionen meiner Mitmenschen zeigen meist jedoch nur, dass da etwas in meinem Blinden Fleck liegt. Manchmal gelingt es dann von allein, zu identifizieren, was dies ist. Um jedoch wirklich erfolgreich bei der Selbst-Bewusstheit sein zu können, ist regelmäßiges, möglichst konstruktives Feedback von den Mitmenschen entscheidend wichtig. Nicht jedes Feedback ist richtig, nicht jedes Feedback ist gut gemeint - natürlich kann es auch gemein und bösartig sein. Also gilt es, das Feedback auf Nützlichkeit und Richtigkeit zu prüfen. Einer der zahlreichen positiven Faktoren funktionierender sozialer Beziehungen ist die Möglichkeit, durch positives Feedback den eigenen “Blinden Fleck” zu erforschen. Durch die Hilfe anderer Menschen fällt es viel, viel leichter, sich selbst zu erkennen. Wer gibt Ihnen hilfreiches Feedback? Wie oft holen Sie sich aktiv Feedback ein? Wie gehen Sie mit den Bereichen Ihrer Selbst um, bei denen Sie ahnen, dass da etwas zu finden ist?
Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sind nicht das Gleiche.
Selbsterkenntnis kann wehtun. Meistens ist es eben nicht schön, zu erfahren, dass man Körpergeruch verbreitet, sich benimmt wie eine Axt im Wald, sich kleidet wie ein Schrat oder die lästige Angewohnheit besser unterließe, sich stets und überall ausgiebig zu kratzen. Auch wenn die meisten unserer Fehler vielleicht weniger deutlich sein dürften: Selbsterkenntnis ist nicht notwendigerweise etwas Positives für das Selbstwertgefühl. Und dann ist es hilfreich, nicht der Abwehr zu verfallen. Die “Aufrechterhaltung der Kompetenzillusion” (Dörner) ist für viele Menschen ein ganz wichtiges Handlungsmotiv. Sie ahnen oder wissen zwar, dass nicht alles gut läuft (derartiges Feedback vom Umfeld zu erhalten lässt sich meist nicht vermeiden), wollen aber auf gar keinen Fall wirklich wissen, woran es liegt. Auf diese Art lässt sich das Selbstwertgefühl stützen: “es sind andere Schuld”, “das stimmt so nicht”, “der hat ja keine Ahnung” - all dies sind möglicherweise richtige Aussagen. Oftmals ist es jedoch der Fall, dass dies Schutzbehauptungen sind zur Bewahrung der Illusion, dass alles zum Besten stünde. Dies mag das Selbstwertgefühl stützen - zur Lösung von Problemen trägt es selten bei. Wie gehen Sie mit unangenehmen Erkenntnissen über sich selbst um?
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