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25.7.2007 von henning.kantner.
In der Umgangssprache wird der Begriff “Kultur” oft synonym zu “Zivilisation” verwendet - und als Gegensatz zu “Natur”. Was ist Kultur, was bedeutet Kultur und welche möglichkeiten hat man, Kultur zu beeinflussen?
Was ist Kultur?
Geert Hofstede, einer der namhaftesten Wissenschaftler, die sich mit Kultur befasst haben, definierte Kultur als “kollektive Programmierung, welche Gruppen voneinander unterscheidet” (orig.: “collective programming of the mind which distinguishes groups from each other”) oder als “Software” (orig.:”Software of the Mind”).

In der Umgangssprache wird der Begriff “Kultur” oft synonym zu “Zivilisation” verwendet - und als Gegensatz zu “Natur”. Was ist Kultur, was bedeutet Kultur und welche Möglichkeiten gibt es, Kultur zu beeinflussen?
Kultur ist erlernt und gruppenspezifisch. Menschen gehören stets einer Vielzahl von Kulturen an, so wie sie einer Vielzahl von Gruppen angehören. Die Gruppe der Japaner, der Briten, der Deutschen, deren Untergruppen Bayern, Schwaben, Niedersachsen, Menschen, die gern kegeln, Menschen, die gern fussballspielen, Menschen, die gern Bridge spielen, ältere Menschen, jüngere Menschen, Mitarbeiter im Vertrieb, Mitarbeiter in der Technik, Mitarbeiter im Kundenservice - all diese Gruppen sind in sich divers,teilen aber oft gemeinsame Züge. Diese gemeinsamen Züge liegen nicht in der jeweiligen Persönlichkeit - diese ist ja per definitionem individuell - und nicht in der menschlichen, ererbten Natur. Sie liegen in der Kultur.
Welche Funktion hat Kultur?
Laut N. Luhmann hat Kultur vor allem die Funktion, menschliches Verhalten in erprobte und vorhersehbare Bahnen zu lenken. Kultur reduziert Verhaltenskomplexität. Kultur verringert die Handlungsoptionen, die einem Gruppenmitglied zur Verfügung stehen - und Regelbrüche werden bisweilen hart geahndet. So ist es in Deutschland üblich, bekleidet zur Arbeit zu gehen, Menschen die Hand zu geben, die man begrüßt, körperliche Intimität im privaten Bereich zu erleben und sich Haare und Nägel zumindest gelegentlich zu schneiden. Keine dieser Regeln ist zwingend nötig, vereinzelt gibt es Kulturen, welche andere Gepflogenheiten haben und unsere Kultur so wenig verstehen wie wir die ihrige. Selbst die stärksten kulturellen Tabus (z.B. Verbot von Inzest oder Kannibalismus) sind nicht überall auf dieser Welt gültig. Kultur ist relativ statisch und verändert sich nur langsam (es ist leicht, die Kultur “der 60er” von jener “der 80er” zu unterscheiden, es ist schwer, die Kultur von 1971 von jener von 1973 zu unterscheiden). Verändert wird Kultur revolutionär vor allem durch wesentliche Einflussfaktoren von aussen (z.B. technologische Entwicklungen (die Pille, der PC, das Telefon, das Fernsehen), Kriege, Hungersnöte, Ölpreisschocks und Terroranschläge)
Worauf basiert Kultur? Die “Kulturzwiebel”
Kultur basiert vor allem auf gemeinsamen Grundannahmen über die Welt in der wir leben, die Natur des Menschens und seines Umfeldes etc. Auf diesen bauen gemeinsame Normen und Werte auf, die in verschiedenen Landeskulturen oder Organisationskulturen sehr unterschiedlich sein können. In den meisten Unternehmen vertreten die Rechtsabteilung, die Personalabteilung, die Technikabteilung, die Vertriebsabteilung völlig unterschiedliche Normen und Werte - und es ist eine sehr schwierige Aufgabe, das darauf aufbauende Verhalten im Sinne eines gemeinsamen Firmenauftretens, einer Corporate Identity, einer Firmenkultur einheitlich zu gestalten.

Dimensionen von Kultur
Zahlreiche Autoren haben sich bemüht, die wesentlichen Determinanten von Kultur zu ermitteln. Einigkeit haben sie dabei naturgemäß nicht erzielt, dennoch gibt es einige wesentliche Gemeinsamkeiten. Unterschieden wird im Allgemeinen zwischen den Kulturen von Nationen und Völkern auf der einen (”Makrokultur”) und den Kulturen von Organisationen (”Mikrokultur”) auf der anderen Seite.
Die wesentlichen Determinanten von und damit Quellen von Unterschieden zwischen Kulturen sind:
-Das Verhältnis zu Macht (Ererbt oder erarbeitet? Hohe oder geringe soziale Mobilität?)
-Das Verhältnis zur Zeit (Kurzfristiger oder langfristiger Fokus?)
-Das Verhältnis zum Individuum (Gemeinschaftsinteressen vor Individualinteressen oder anders herum?)
-Das Verhältnis zu Regeln (Strikte soziale Kontrolle oder geringe?)
-Das Verhältnis zu Emotionen (Ist öffentliche Darstellung von Emotionen normal oder ungewöhnlich?)
Hier gibt es große Unterschiede zu beobachten: Die angelsächsischen Länder sind messbar (sic!) individueller geprägt als Kontinentaleuropa und vor allem Ostasien. In den romanischen Ländern sind offen gezeigte Emotionen wesentlich häufiger anzutreffen als in den germanischen. Der Fokus der westlichen Welt ist messbar kurzfristiger als jener der ostasiatischen.
Die wesentlichen Determinanten von Mikrokultur sind nicht weniger komplex. Das meiner Meinung nach aufschlussreichste Modell zur Definition von Unternehmenskultur ist jenes von F. Trompenaars und C. Hampden-Turner:
Die beiden Wissenschaftler unterteilen Unternehmenskulturen anhand der Art, wie Macht verteilt ist (egalitär gegenüber hierarchisch) und ob der Mensch oder die Aufgabe im Mittelpunkt des Unternehmens steht. Wo befindet sich Ihre Organisation? Ist das die optimale Position für Ihren Erfolg? Wenn nein - was tun?
Wie kann man Kultur verändern?
Kultur ist recht statisch, aber im Zeitverlauf durchaus langsam veränderbar. Unternehmen, die einen Kulturwechsel durchführen wollen, sollten geeigneterweise ganz an der Wurzel beginnen. Wie sind wir? Wie wollen wir sein? Die Definition der Normen und Werte ist bei einer Kultur, die gesteuert werden soll, unabdingbar. Kulturen entstehen von selbst. Will man sie steuern, muss man das zugrundeliegende definieren, damit das von Aussen beobachtbare, das Verhalten, sich ändert. Kultur wächst dann durch Geschichte, durch kontinuierliches Pflegen der Werte und daraus resultierender Verhaltensweisen. Haben Sie Werte, Ziele und Emotion? Dann benötigen Sie nur noch ein funktionierendes Change Management für Ihren Erfolg. Das wird ein weiteres Kapitel sein.
Geschrieben in Was man als Manager wissen sollte. Oder könnte. | Keine Kommentare »